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Herrenhaus Wiepersdorf
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Dorfkirche

Altar in der Dorfkirche zu Wiepersdorf. Foto Jürgen Stich 2016

Wiepersdorf wird um 1325/39 erstmals in einer Jüterboger Urkunde als ein „Claws wyprechstorp carnifex" erwähnt. Erst 1472 wird das Dorf selber genannt. 1624 hatte es 14 Hufen, die von vier Hüfnern bewirtschaftet wurden. Es waren vier Kossäten (Kleinbauern) im Dorf ansässig, ein Pachtschäfer und ein Hirte. 1652 war das Dorf offenbar völlig verlassen. Erst 1679 waren wieder vier Kossäten wohnhaft. 1687 waren die ersten Hufen wieder bebaut. 1711 gab es wieder drei Hüfner, vier Kossäten, einen Schäfer und einen Knecht. Der Ortsname Wiepersdorf wird auf Wiprecht von Groitsch, Markgraf der Lausitz, (*um 1050; † 22.05.1124), zurückgeführt.

 

Im Wiepersdorfer „Kirchen-Rechnungsbuch“ von 1661 wird angemerkt: „Zum ersten ist zu wissen, nachdem diese Kirche allhier in Wiepersdorf in die 30 Jahre und noch länger wüste gestanden, auch kein Einwohner im Dorfe zu finden gewesen, nichts desto weniger, so hat durch Gottes Hilfe der hochwohlgeborene, gestrenge und mannhafte Herr Hans George v. Leipzigk, auf Wiepersdorf Lehn und Gerichtsherr, diese Kirche daselbst auf seine Kosten wieder an- und zurichten lassen ... 1678 wird ein Turm gebaut. 1680 wird die Kirche inwendig und auswendig geweißt. Anno 1681 ist die Kirche allhier zu Wiepersdorf wiederum aufs neue eingeweihet worden, jedoch solchergestalt, daß darin Gottes Wort gelehret und gepredigt und die heiligen Sakramente ausgetheilt werden.“

 

An der Kirchenaußenwand gab es Zeugnisse aus den Zeiten der Familie von Leipzigk auf Grabsteinplatten. Aus Erhaltungsgründen wurden diese Epitaphe inzwischen im Innern seitlich hinter dem Altar "deponiert" - kein gutes Zeugnis für den Umgang mit Geschichte und Denkmalen. 

 

 

Eine dieser Platten zeigt eine Figur in Rüstung und mit einem Helm mit Fünfblattkrone zu Füßen. Inschriften auf den Steinplatten lauten:

 

„ANNO 1596 DEN 13. APRIL IST DER EDLE GESTRENGE UND EHRENVERTE CHRISTOF VON LEIPZIGK AUF BEERWALDE IN GOTT ENTSCHLAFEN UND LIEGT ALLHIER BEGRABEN. DEN GOTT GNADE.“

 

„ANNO 1609 IST DER EDLE GESTRENGE UND EHRENVERTE JOACHIM VON LEIPZIGK AUF WIEPERSDORF IN GOTT ENTSCHLAFEN. ALLHIER BEGRABEN. DEN GOTT GNADE.“

 

Chronik

 

1701 wird der neue Altar erbaut. Die Kanzel wird in den Altar eingesetzt und befindet sich somit dem „herrschaftlichen Chor“ gegenüber.

 

1734 kam das „Ländchen Bärwalde“ mit den Dörfern Bärwalde, Kossin, Meinsdorf, Herbersdorf, Weißen, Rinow und Wiepersdorf in den Besitz von Major Gottfried Emanuel von Einsiedel (1690-1745): „Anno 1734 den 17. Juni hat der hochwohlgeborene Herr Gottfried Emanuel von Einsiedel, seiner königlichen Majestät in Preußen unter des Königs Regiments Granadire bestallter Major, dieses Ländchen Bärwalde erblich an sich gekauft. Seine Frau ist Margarethe Tugendreiche, geborene von Rochow, seine Kinder sind Friedrich Wilhelm, Friedrich Emanuel, Sofia Dorothea, Margarethe Charlotte. Gott segne dieses Haus und laß es ihnen und den Gemeinden wohl ergehen.“ – so der Text auf der Meinsdorfer Säule.

 

1737 lässt Einsiedel unter der Feldsteinkirche eine Gruft für die Bestattung der „herrschaftlichen Todten“ sowie einen neuen Kirchturm errichten. 1738 übernimmt der Berliner Orgelbauer Friedrich Emanuel Marx (1767-1826) den Einbau „einer größeren Orgel, die am 8. Sonntag nach Trinitatis (27. Juli 1738) erstmals gespielt wird“.

 

1745 stirbt Einsiedel in Potsdam. Er wird in der von ihm geschaffenen Gruft beigesetzt.

 

1780 erwirbt Joachim Erdmann von Arnim (1741-1804) das „Ländeken“ mit den Dörfern Bärwalde, Kossin, Meinsdorf, Herbersdorf, Weißen, Rinow und Wiepersdorf.

 

1804 stirbt Joachim Erdmann. Beigesetzt wird er in Gerswalde. Seine Söhne sind Carl Otto Ludwig (1779-1861), und Ludwig Achim von Arnim (1781-1831).

 

1811 heiratet Ludwig Achim von Arnim Bettina geborene Brentano (1785-1859).

 

1814 zieht das Ehepaar mit den Söhnen Freimund (1812-1863) und Siegmund (1813-1890) in das bis zum Jahr 1821 verpachtete Gut Wiepersdorf. In den folgenden Jahren werden geboren: Friedmund (1815-1883), Kühnemund (1817-1835), Maximiliane (1818-1894), Armgart (1821-1880) und Gisela (1827-1889).

 

1818/20 übernimmt Ludwig Achim von Arnim die Bewirtschaftung des Gutes Wiepersdorf.

 

1823 veranlasst er die Anlage eines neuen Begräbnisplatzes vor dem Dorf. Der Totengarten an der Kirche wird geschlossen und in den Park auf der Ostseite des Herrenhauses einbezogen. Laut Prediger Salpius hat „die Herrschaft jedoch verbindlich gemacht, die alten Gräber nicht zu planieren“.

 

1831 stirbt Ludwig Achim von Arnim. Er wird zunächst in der Gruft später neben der Dorfkirche beigesetzt – der Anfang des Arnimschen „Privatfriedhofs“.

 

1835 Beisetzung Kühnemund von Arnim auf dem Familienfriedhof.

 

1848 Beisetzung Anna von Arnim geb. Baumbach auf dem Familienfriedhof.

 

1859 Beisetzung Bettina von Arnim auf dem Familienfriedhof.

 

1863 Beisetzung Freimund von Arnim (1812-1863) auf dem Familienfriedhof.

 

1876 übernimmt der Maler Achim von Arnim (1848-1891) die Verwaltung von Wiepersdorf.

 

1876 Beisetzung seiner „Stiefmutter“ Claudine von Arnim geborene Brentano (1804-1876) auf dem Familienfriedhof.

 

1890 Beisetzung Siegmund von Arnim (1813-1890) auf dem Familienfriedhof.

 

1891 Beisetzung des Malers Achim von Arnim auf dem Familienfriedhof.

 

1892 Umgestaltung des Familienfriedhofs nach Plänen des Malers Achim von Arnim.

 

1892 Annois von Arnim (1865-1942) übernimmt die Verwaltung von Wiepersdorf.

 

1894 wird am 1. April mit dem Umbau der in ihrem Kern mittelalterlichen rechteckigen Feldsteinkirche begonnen. Laut Pastor Springhorn „war die Kirche bisher nur aus Feldsteinen gebaut. Da Turm und Dach in den Holzteilen sehr schadhaft waren, wurde alles heruntergenommen. Wegen Mangel an Raum wurde die Kirche um etwa 2 Meter erhöht … Wir konnten die Etage aufsetzen im Osten, Norden und Süden. Im Westen waren wir dran: es war bereits ein eiserner Träger gelegt, als die Polizei kam und behauptete, ein Turm könnte nicht auf der Mauer stehen (2. Juni 1894). Der Bau lag still vom 2. Juni bis 9. September. Die Königliche Regierung sandte den Kreisbauinspektor. Derselbe stellte fest, daß die FeIdsteinmauer so schlecht sei, daß oben kein Turm stehen könne. Die Königliche Regierung wollte nicht einmal einen Holzturm gewähren. Unter dem 23. August schon verzichtete auf Vorschlag des Pastors der Patron und Gemeindekirchenrat auf einen Turm … Da nun bis zum 9. September nichts eintraf, so nahm der Pastor den Bau auf seine Schultern und ließ am 10. September von neuem anfangen ohne Turm. Es ist gelungen, das Orgelchor oberhalb der herrschaftlichen Loge zu gewinnen, jedoch die nötige Höhe konnte nicht erreicht werden, da der Patron seinen Raum 11 Fuss hoch haben wollte. So mußte der Orgelkasten ins Dach eingebaut werden. Ob‘s günstig ist für den Ton, das muß abgewartet werden. Die Kirche wurde nicht mehr geweiht vor Weihnachten. Bis Ostern 1895 ist alles still. Nach Ostern wurde an den Anstrich gedacht … Am 18. Juni wurde die Kirche vom Kreisbauinspektor Dittmar zu Jüterbog abgenommen, Die neue Orgel ist aufgestellt vom 20. Mai bis 28. Mai. Erbaut ist diese von den Gebrüdern Dinse zu Berlin. Die Kanzel ist geblieben … Die Kirche ist eingeweiht am 7. Juli 1895.“

 

1928 Beisetzung Erwin von Arnim (1862-1928) auf dem Familienfriedhof. Sein Sohn Friedmund von Arnim (1897-1946), verheiratet mit Clara geb. von Hagens (1909), übernimmt die Verwaltung von Wiepersdorf, bleibt aber in Zernikow.

 

1941 Beisetzung Walther Encke (1893-1941) auf dem Familienfriedhof. Die Witwe lässt für den „Bürgerlichen“ ein Grabmal aus einem Feldstein setzen.

 

1946 Gründung der „Deutschen Dichterstiftung“. Der für das Ländchen zuständige Pfarrer Thiel weist erfolglos „darauf hin, dass die Kirche der Bettina von Arnim völlig unansehnlich ist". Auch die 1955 ergangene „Bitte an die Denkmalpflege um Beihilfe, damit der wertvolle Barockaltar und das Wandgemälde im Gemeinderaum, einst von Gisela von Arnim (1827-1889) und Hermann Grimm (1828-1901) geschaffen, erhalten werden könne“, bleibt ohne Ergebnis.

 

1965 werden Park, Herrenhaus und Kirche neu gestaltet. Dabei wurde der Weg, der von der Dorfstraße zur Kirche führt, verlegt. Er führt nun direkt an den Arnimschen Gräbern vorbei. Die Herrschaftsloge, die sich über der Gruft befand, wird zu einem Gemeinderaum. Er erhält neue Dielen, Schornstein und Ofen. Der Bau wird elektrifiziert. In den beiden Jahren danach erfolgt die Reparatur des Daches und im Juli 1967 ein neuer Außenputz.

 

1967 wird die Gruft unterhalb des Gemeinderaumes geöffnet. Im Protokoll hierüber heißt es u. a.: „Die Gruft hat ein Gewölbe, dessen Flächen noch ein sauberes Weiß aufweist. Zur Nordseite hin stehen noch 5 offene und zum Teil beschädigte Holzsärge mit den Leichen … Auf jedem Sarg steht noch ein Kindersarg. Die Kinder sind in Tücher bis zum Kopf eingewickelt. Das metallene Namensschild des Grafen von Einsiedel, der 1745 gestorben ist, wurde vom Sargdeckel gelöst und ist jetzt an der Altarloge befestigt … In der Parkanlage vor der Kirche wird ein neuer stählener Glockenstuhl 1968 errichtet. In diesem werden die beiden alten Glocken aufgehängt.“

 

Dank Beihilfen der Evangelischen Kirche und des Instituts für Denkmalpflege der DDR sowie Spenden der Gemeinde konnten weitere Arbeiten erfolgen: Neuverglasung der Fenster, Abtragung der Empore an der Nordwand, Umsetzung der Orgel von oben in den unteren Kirchenraum.

 

1971 werden Malerarbeiten in der Kirche durchgeführt, im Dezember wird der Alter völlig restauriert und mit Blattgold versehen. Im Gemeinderaum gehen die Arbeiten 1974 weiter. Es wird ein neuer Warmluftofen gesetzt, ein größerer Wandschrank wird in die hintere Nische eingebaut. 1975 werden die Lichtleitungen unter Putz gelegt und der Raum renoviert.

 

1992 Von Mai bis August umfassende Rekonstruktion von Schloss, Wirtschaftsgebäuden, Gästehaus, Orangerie und Park. Mittel für die dringend erforderliche Restaurierung der Dorfkirche stellt die Stiftung Kulturfonds nicht zur Verfügung. Der neue Direktor des Künstlerhauses beauftragt die Potsdamer Orgelbauanstalt Schuke mit der Restaurierung der Orgel. Ab August 1992 finden im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wiepersdorfer Konzerte“ wieder regelmäßig Orgelkonzerte stattfinden. Von Mai bis Dezember 1992 führt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Künstlerhauses Jürgen Stich insgesamt 4.846 Personen durch die „Erinnerungsstätte Bettina und Achim von Arnim“, Dorfkirche, Arnimsche Familiengräber, Park und Orangerie.

 

1994 lässt Clara von Arnim (1909-2009), die „letzte Herrin“, an der Kirche eine Gedenktafel anbringen: „Zum Gedenken an Friedmund Ernst Freiherr von Arnim, geboren am 24. Mai 1897 Zernikow/Mark Brandenburg, gestorben am 13. Januar 1946 in Tula/Russland, letzter Herr auf Zernikow, Bärwalde und Wiepersdorf.“

 

2009 stirbt Clara von Arnim. Sie wird auf dem Friedhof der Dorfkirche in Zernikow beigesetzt.

 

Die Kirche gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Meinsdorf. Sie kann nur während der Gottesdienste oder im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Beschreibung der „Geschichte der Wiepersdorfer Kirche“ basiert auf einem unter dem Datum „Wiepersdorf, den 13.8.1985“ verfassten Bericht, der sich wiederum auf einen im November 1975 vom Meinsdorfer Pfarrer Linke verfassten Text und die nicht näher bezeichnete Quelle „Wiepersdorf 1895-1975“ beruft.

 

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