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Vom Gutshaus zum Herrenhaus

Herrenhaus von Wiepersdorf, 2015. Foto Volkmar Billeb. Aus "Schlösser und Gärten der Mark", Heft 144. Hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger.

Wiepersdorf wird zuerst mit Bettina von Arnim in Verbindung gebracht. Vor allem Schriftstellerinnen haben für diesen Mythos gesorgt, auch die DDR, die dem Haus 1965 den Namen „Bettina von Arnim“ gab und damit, das sei zugestanden, vor Verfall und Vergessen „rettete“. Historisch ist das nicht korrekt. Wiepersdorf (und auch Bärwalde) war der Ort von Achim von Arnim, der von 1816 bis 1831 hier als Dichter und Landwirt lebte (1817 „Die Kronenwächter“, 1826 „Landhausleben“). Die Aufenthalte von Bettina in Wiepersdorf (und auch Bärwalde) sind nur als sporatisch zu bezeichnen. Die „peinlich unbequeme Mahnerin an das gesellschaftliche Gewissen“ zog das Leben in Berlin vor, wo sie sich mit Goethe (Briefwechsel mit einem Kinde, 1835), der „Günderode“ (1840) und dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (Dies Buch gehört dem König, 1843) beschäftigte.

Wiepersdorf, wie es sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis heute präsentiert, ist allerdings das Werk des Malers Achim von Arnim-Bärwalde (1848-1891), dem Enkel des berühmten Dichterpaares. Der Historienmaler aus der Münchner Schule und Meisterschüler bei Karl von Piloty, hat das Haus zwischen 1876 und 1891 nicht nur mit eigenen Werken ausgestattet, sondern als Kunstmaler und Bauherr den – zu Achims und Bettinas Zeiten – schlichten Charakter des Hauses und seiner Umgebung ins Prachtvolle verwandelt.

 

 

Der Kunsthistoriker Joachim Fait (1921-1993), einst Mitarbeiter der Abteilung Bestandsforschung des Instituts für Denkmalpfleg der DDR, hat in der 1968 vom Ministerium für Kultur der DDR herausgegebenen Broschüre „Bettina von Arnim Heim“ einen noch heute interessanten Text zur Wiepersdorfer Anlage geschrieben. Wir zitieren:

 

„Dass dieser Bau eine längere Vergangenheit hat, als sein Äußeres vorgibt, bezeugt ein Kellerraum mit zwei spätgotischen Kreuzrippengewölben und rundbogigen Wandnischen, die Mauern noch aus den für das Mittelalter typischen großformatigen Backsteinen. Es gibt hier also schon seit etwa der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts ein „festes Haus“, das sich vor der sonst üblichen Holzbauweise auszeichnete und seine besondere Bedeutung als Herrensitz im Ländchen Bärwalde kundtat. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass auch im aufgehenden Mauerwerk noch Reste dieses Baues stecken. Der überlieferte ist 1731-1738 errichtet worden, ein verputzter Ziegelbau im schlichten Rechteck ohne die sonst im Barock übliche reichere Wandgliederung, zweigeschossig mit sieben (auf der Parkseite acht) Achsen, in der Mitte das Portal über einigen Stufen, die Fensteröffnungen schlicht gerahmt mit Schlußsteinen im Bogenscheitel, über dem ausladenden Sims das abgewalmte Mansarddach. Im 3. Viertel des 18. Jahrhunderts muss das Haus durch eingeschossige schmalere Nebenbauten erweitert worden sein. Es erhielt damit eine aufwendigere, dem Wesen barocker Baugruppenbildung angenäherte Gestalt.

 

Von den drei Supraporten im Balkonzimmer, die Achim von Arnim-Bärwalde offenbar nach älteren, nicht mehr überlieferten Vorlagen gemalt hat, zeigt eine die Ansicht vom „haus Wiepersdorff vom Morgen“ im Zustand von 1784, genrehaft mit dem Haus als Mittelpunkt einer Welt im Kleinen, mit all dem liebenswürdigen Beiwerk gepflegter Ländlichkeit und nicht zuletzt mit den Menschen, die den Hof in Arbeit oder Vergnügen bevölkern. Die zweite Supraporte stellt das Haus „vom Abend" dar, die Gartenfront also, die im 18. Jahrhundert wesentlich einfacher gestaltet war. Der Park auf diesem Bild macht ebenfalls einen anderen Eindruck als heute.

 

Wer das Haus betritt, kommt zunächst in die Diele, von der aus sich die Räume erschließen. Der Gartensaal im Erd- und das Balkonzimmer im Obergeschoss sind die eigentlichen Repräsentationsräume und befinden sich – typisch für barocke Raumgruppierung – in der Mitte des Baues, zu den Seiten die Bibliothek sowie die Arbeits- und Wohnräume. Die durchlaufenden Flure sind in jüngster Zeit entstanden, um den Gästezimmern separate Zugänge zu geben. Eine hölzerne, ursprünglich bis zum oberen Podest geradläufig ansteigende Treppe führt ins Obergeschoss. Wie einst das Äußere, so bekundet das Innere auch heute noch Sparsamkeit und Zurückhaltung im Dekorativen.

 

Gewiss ist manches schmückende Detail im Laufe der Zeit verlorengegangen, aber ebenso gewiss ist der überlieferte Dekor im Gartensaal schon vom 18. Jahrhundert an das Wertvollste, was das Haus zu bieten hatte: über den Türen (noch mit den schönen alten Messingschlössern und -griffen) Supraporten in Rocaille, vergoldete Reliefs, die Mitteltür mit den Zeichen der Ernte (Ährengarbe, Sichel, breitrandiger Strohhut), in den Ecken über den Kaminen alte dreiteilige Spiegel, seitlich der Terrassentür ebenfalls gerahmte Spiegel, in den Ecken der Decke zart angedeutetes Stuckornament.

 

Ein kleines Ölgemälde von dem Maler Achim von Arnim-Bärwalde hält bis ins Einzelne die wohnliche Atmosphäre fest, die noch im 19. Jahrhundert diesen Saal vor den übrigen Räumen ausgezeichnet hat. Vom Gartensaal aus führt der Weg wieder ins Freie. Hier wandelt sich die nüchterne Zurückhaltung, mit der das Haus den Besucher empfangen hatte, zum Gefälligen, zur festlichen Geste. Nichts vermag diese veränderte Haltung deutlicher widerzuspiegeln als die Fassade. Aber sie ist nicht nur im ganzen reicher gestaltet als die Hofseite, sondern sie erhält auch in genauer Entsprechung zur Rangordnung der Innenräume durch plastisch-dekorative Akzente eine alles beherrschende Mitte. Der dreiachsige giebelgekrönte Risalit, betont noch durch kapitellgeschmückte Pilaster, nimmt den Balkon auf, den vier gebänderte Säulen mit Volutenkapitellen tragen. Die Terrasse davor, um einige Stufen tiefer, buchtet halbrund aus und führt über eine breite Freitreppe zum Garten hinunter, von schmaleren Seitentreppen begleitet. So wachsen Architektur und Garten zur Einheit zusammen. Das alles ist dem Wesen nach durchaus barock empfunden und gestaltet, aber, wie der Vergleich mit der Supraporte „vom Abend" zeigt, nicht ursprünglich. Erst um etwa 1880 erhielt die Gartenfront das heutige Aussehen.

 

 

 

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