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Brandenburgische Schlösser GmbH

Als nach der Wiedervereinigung die neuen Wanderungen durch die Mark Brandenburg deutlich machten, dass den im Osten liegenden maroden Herrenhäusern und zersiedelten Parkanlagen „geholfen“ werden muss, kam das Land Brandenburg auf die Idee, am 9. Dezember 1992 mit der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ die gemeinnützige „Brandenburgische Schlösser GmbH“ (BSG) zu gründen. Der Eintrag in das Handelsregister beim Amtsgericht Potsdam (HRB 5482 P) erfolgte am 17. Mai 1993. Sitz der Gesellschaft wurde Potsdam, Geschäftsführer der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Illert.

 

 

 

Aufgabe der BSG war (und ist es derzeit wohl noch), geschichtsträchtige märkische Herrenhäuser und ihre Parkanlagen in Obhut zu nehmen, für Sicherung, Sanierung, Erhalt und Pflege zu sorgen sowie geeignete Nutzer zu finden. Dafür erhielt die BSG vom Land Brandenburg von 1993 bis 1999 einen jährlichen Zuschuss von 5 Mill. DM (2.556.459 €), ab 2001 nur noch 2 Mill. DM (1.022.000 €). Am 9. August 2004 wurde der Gesellschaftsvertrag geändert: Das Land Brandenburg stellte die Finanzierung der BSG ein und wenig später wurde der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ (DSD) vom Land Brandenburg das Wiepersdorfer Anwesen übertragen. Als Beigabe überreichte Brandenburg treuhänderisch noch jene 7,5 Millionen Euro aus dem ehemaligen Topf der „Stiftung Kulturfonds“ nebst Behalt der Zinsen aus diesem Kapitalstock. Dafür musste die DSD ab 2006 als Hotel- und Gastronomiebetreiber für das „Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf“ Neuland beschreiten. Da die Zinsen bekanntlich alsbald gegen Null gingen, ist davon auszugehen, dass die BSG als Tochtergesellschaft der DSD spätestens von diesem Zeitpunkt an auch von den Geldern der DSD partizipierte.

 

Zwischenzeitlich wurde der Gesellschaftsvertrag für die BSG erneut geändert. Die Eintragung erfolgte am 6. Januar 2016 beim Amtsgericht Charlottenburg (HRB 173206 B). „Gegenstand der Firma: Zweck des Unternehmens ist die Förderung der Denkmalpflege. Der Unternehmenszweck wird verwirklicht insbesondere durch Wiederherstellung, Erhaltung, Pflege und eine den anerkannten Kriterien der Denkmalpflege entsprechende Nutzung Brandenburgischer Schlösser, Herrenhäuser, Parks und Gärten in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden des Landes Brandenburg. Die Gesellschaft kann insbesondere die zur Wiederherstellung, Erhaltung und Pflege geeigneter Objekte erforderlichen Verträge schließen und die Objekte selbst oder durch Abschluss von Miet- oder Pachtverträgen mit Dritten zur Verwirklichung des Unternehmenszwecks nutzen. Sie ist erforderlichenfalls auch berechtigt, Eigentum an solchen Objekten zu erwerben oder diese zu veräußern. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Abgabenordnung. Stamm- bzw. Grundkapital: 127.900,00 EUR.“ Aktuell liegen zur BSG beim Amtsgericht Charlottenburg vier Registerbekanntmachungen vor. Die letzte Änderung ist vom 30. Januar 2017. Zum Gesellschaftsvertrag und zur Gesellschafterliste sind „aktuell leider keine Dokumente verfügbar“.

 

Die Muttergesellschaft der BSG – die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ (DSD) war 1985 gegründet worden und ist nach eigenen Angaben die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Noch im Jahresbericht 2015 bescheinigte sich die Stiftung „höchste Standards, modernes Management und größtmögliche Transparenz“. Als Beleg wurde das „Spendensiegel“ des „Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen“ sowie ihre Aufnahme in den „Deutschen Spendenrat“ aufgeführt – gefolgt von dem Hinweis: „Die Einhaltung der Standards wird jährlich geprüft“. 2011 kaufte die DSD das „Nicolaihaus“ in der Berliner Brüderstraße. Durch Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 4. Dezember 2015 wurde der Sitz der Gesellschaft von Potsdam in das Nicolaihaus verlegt. Die Geschäftsführung übernahmen Dr. Felix Breidenstein, Dr. Wolfgang Illert sowie als Prokurist Jürgen Klemisch. Festgelegt wurde, dass „die Gesellschaft gemeinschaftlich durch zwei Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer in Gemeinschaft mit einem Prokuristen vertreten wird“.

 

Unbestritten ist, dass die BSG und damit letztendlich auch die DSD in den vergangenen 25 Jahren einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der märkischen Herrenhäuser und Parks geleistet haben. Des einen Freud ist allerdings meist des anderen Leid. Die Bundesrepublik besteht aus 16 Ländern und die DSD ist nun einmal „für alle“ und nicht nur für das Brandenburg da. Ob die BSG nun als „Auftraggeber für regionale Handwerksbetriebe einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag für den ländlichen Raum geleistet oder dazu beigetragen hat, dass die Schlösser als Bestandteil des dörflichen Kulturerbes wieder wahrgenommen und zu touristischen Anziehungspunkten in den ländlichen Regionen werden“, schert die „Zukurzgekommenen“ anderswo herzlich wenig.

 

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Medien den „einwandfreien Ruf“ und die „mit allen Weihwassern der Gemeinnützigkeit gewaschene“ DSD unter die Lupe nahmen. Begonnen hat – wegen der Kündigung des Wiepersdorf-Vertrages – die „Märkische Allgemeine“ (3.5.2016), gefolgt vom „Online-Magazin Oberhessen“ (13.7.2016) und schließlich die „Wirtschaftswoche“ (23.7.2016). Insbesondere die „Wirtschaftswoche“ vom 23. Juli 2016 hat sich unter der Überschrift „Wo stecken die Lotto-Millionen“ ausführlich mit der gemeinnützigen DSD beschäftigt. Konstatiert wurde, dass sie „großzügig mit Geld bedacht wird. Im Jahr 2015 hat „Lotto GlücksSpirale 15,7 Millionen Euro überwiesen. Hinzu kamen private Spenden von knapp 18,6 Millionen Euro“. Das Wirtschaftsmagazin kam zu der Erkenntnis, dass „die Spur der Spendengelder größtenteils in die ostdeutsche Provinz führt“ und dass „gleich mehrere Projekte Zweifel an der Effizienz des Managements nähren“.

 

Die DSD reagierte. Unter der Überschrift „Stiftung stellt sich für die Zukunft auf“ berief „der Stiftungsrat zum 1. September 2016 einen neuen Vorstand. Benedikt Buhl folgt Dr. Wolfgang Illert, der seit 2008 Geschäftsführer, nach einer Umstrukturierung einer der geschäftsführenden Vorstände, der Stiftung ist. Sein Vertrag läuft Ende November 2016 regulär aus. Dr. Wolfgang Illert hat dank seiner ausgezeichneten Fachkenntnis als Kunsthistoriker und durch seine langjährigen Erfahrungen in der Denkmalpflege die Stiftung insbesondere in den Satzungsaufgaben Denkmalförderung und Bewusstseinsbildung maßgeblich vorangebracht. Sein Nachfolger Benedikt Buhl ist der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit vielen Jahren eng verbunden, zuletzt als Mitglied des Stiftungsrats. Durch den 56jährigen Diplom- und Bankkaufmann werden in der Stiftung für die Zukunft zusätzliche Impulse in einem sich wandelnden Stiftungswesen erwartet. Benedikt Buhl wird gemeinsam mit dem amtierenden Vorstand Stephan Hansen die Geschäfte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz führen. Dr. Felix Breidenstein, als dritter Vorstand der Stiftung vor allem für die Wirtschaftlichen Geschäftsbereiche der Stiftung zuständig, scheidet in gegenseitigem und freundschaftlichem Einverständnis zum 30. Juni 2016 aus. Er hat mit seinen Erfahrungen im Stiftungswesen wichtige Prozesse initiiert und Impulse gesetzt. Der Stiftungsrat dankt den beiden scheidenden Vorständen ausdrücklich für ihre wertvolle Arbeit.“

 

Gleichzeitig wurde Dr. Wolfgang Illert als Geschäftsführer der BSG abgelöst, Die neue Geschäftsführung besteht nun aus Benedikt Buhl und den vertretungsberechtigten Prokuristen Jürgen Klemisch, der diese Position seit 2008 begleitet und obendrein als Referatsleiter Liegenschaften der DSD fungiert.

In diesem Zusammenhang wurde wohl auch der Betreibervertrag mit dem Land Brandenburg für das „Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf" gekündigt. Für die „Wirtschaftswoche“ wirft „die Geschichte der DSD ein Licht auf jenes seltsame Geflecht aus Gebern und Nehmern, das sich im staatlich abgeschirmten Geschäft etabliert hat“. Dazu gehören zweifellos im Land Brandenburg „leer stehende, aber geförderte Immobilien“.

 

Zitat: „Die langfristige Sicherung und Sanierung der Schlösser ist aber nur ein Teil unserer Aufgaben. Das Suchen nach einem Nutzer, der die denkmalverträgliche Nutzung des sanierten Objektes gewährleistet, ist fast ebenso wichtig. Die langfristige sinnvolle Nutzung der Liegenschaften hat große Priorität. Da die Sanierungskosten nicht zurückgefordert werden, sind wir in der Lage, die Objekte zu sehr günstigen Konditionen anbieten zu können. Quadratmeterpreise von 5,50 € sind da eher ein Mittelwert. Durch einen günstigen Mietpreis wird die wirtschaftliche Nutzung oft erst ermöglicht und dadurch auch der langfristige Unterhalt der Schlösser und Parkanlagen. Ein weiterer positiver Aspekt der Tätigkeit der BSG ist die Wirtschaftsförderung.“

 

Das war gut gedacht. Funktioniert hat es nicht. Die große Mehrheit der mit Beträgen zwischen 5 und 15 Millionen Euro sanierten Schlösser und Parkanlagen konnte bisher nicht „losgeschlagen“ geschweige denn „vermietet“ werden. Mehrheitlich befinden sie sich immer noch im (günstig erworbenen) Eigentum der BSG. Sie werden von ihr verwaltet und müssen, um Schaden von den Gebäuden und Anlagen abzuwenden, an 365 Tagen im Jahr mit ziemlich viel Geld unterhalten werden.

 

Es ist kaum vorstellbar, dass die doch bundesweit verpflichtete DSD ihre Tochtergesellschaft BSG in dieser Konstellation noch länger wird halten können. Bedauerlich für Brandenburg, weil jetzt auch noch die Einflussnahme auf die geretteten Anlagen schwindet. Fakt ist, dass bei der DSD nicht mehr ein Kunsthistoriker, sondern ein Diplom- und Bankkaufmann die Zukunft bestimmt. Seither befindet sich die DSD auf dem Rückzug bzw. konzentriert sich wieder mehr auf das Wesentliche. Dies ist aus den Rückzugsnachrichten über die bisherigen DSD-Unternehmungen Romrod, Höchst, Waidhaus Görlitz sowie Palais Salfeldt in Quedlinburg durchaus herauszulesen.

 

Im Eigentum der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ befindet sich noch das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Den Betreibervertrag hat die DSD inzwischen gekündigt. Über den Stand der Verhandlungen schweigen Land Brandenburg und „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“. Man muss keinen Wahrsager befragen, um der interessierten Öffentlichkeit klar zu machen, dass Land Brandenburg und Schloss Wiepersdorf dabei keine guten Karten haben. Sicherlich, es war Aufgabe von DSD und BSG, Nutzer zu finden, aber über wirtschaftliche Konzepte für diese „schwierigen“ Anwesen hätten sich die Potsdamer Ministerien schon auch Gedanken machen müssen. Denn an Erhalt und Nutzung dieser Kleinode besteht ohne Zweifel ein öffentliches Interesse, weil von ihnen positive Effekte für Gemeinden, Regionen und Land ausgehen.

 

Karte: Brandenburgische Schlösser GmbH

Altdöbern

Altdöbern. Foto Peter Hahn, 1997

Eigentum der BSG seit 1996.

 

Die Nutzfläche des Schlosses beträgt 3.290 m². Der Park umfasst 60 ha. Die Anlage entstand 1717/18 und erhielt 1880/83 ihr endgültiges Gesicht. Den Bau erwarb 1917 der Zigarettenfabrikant Eugen Laib Garbáty. 1938 verkaufte er das Anwesen und emigrierte in die USA. Von 1943 bis 1945 war das Schloss Ausweichquartier der Schwedischen Botschaft. Nach 1945 übernahm die Gemeinde Altdöbern die Rechtsträgerschaft. Von 1946 bis 1974 war das Anwesen an den Caritas-Verband als Heim vermietet. Der Gesamtkomplex blieb in seiner Grundstruktur nahezu unverändert erhalten. Die prekäre Bausubstanz und fehlende Finanzen zwangen die Gemeinde zur Aufgabe. 1996 begann die BSG als neuer Eigentümer mit Sanierung und Restaurierung. Voraussetzung war allerdings, dass das gesamte Schloss vorher mit einer 50 cm dicken Betonplatte unterfangen werden musste, um es vor dem Grundwasser zu schützen. 2011/12 wurde die Orangerie neu errichtet, verpachtet und als Café eröffnet. „Bis September 2015 erfolgte die Restaurierung der Festsäle aus Rokoko und Gründerzeit.“

 

Über mögliche Nutzungen teilt die BSG aktuell mit: „Aufgrund der Größe des Schlosses erschließen sich viele Möglichkeiten der Nutzung. Die Verbindung von Büros mit einer Tagungs- und Fortbildungsstätte oder als Seminarhaus ließe sich ebenso leicht verwirklichen wie eine Hotelnutzung. Schloss und Park sind aber auch für die Unterbringung eines Wohnheims oder einer Akademienutzung geeignet.“

 

Bildergalerie Altdöbern

 

Blankensee

Schloss Blankensee. Foto Peter Hahn, 1998

Eigentum der BSG seit 1994

 

Es war ein ehrgeiziges Projekt. Mit mehr als 10 Millionen Mark ließ die BSG das ehemalige Anwesen des Schriftstellers Hermann Sudermann im neuen Glanz erscheinen. Widerspruch tat sich auf, weil der Architekt Karl-Heinz Schommer direkt an den barocken Bauteil einen modernen Ostflügel setzte. Inzwischen stehen sie einträchtig nebeneinander. Ursprünglich war beabsichtigt, einen auf zehn Jahre befristeten mietfreien Nutzungsvertrag mit der TU Berlin abzuschließen. Das Herrenhaus mit 700 m² Wohnfläche sollte als Gäste- und Seminarhaus mit 16 Appartements und Tagungsräumen für bis zu 40 Teilnehmer genutzt werden. Im Gegenzug sollte die TU die Kosten für Personal, Versicherungen, Strom, Heizung, Wasser, Müllabfuhr, Telefon und Pflege des Parks übernehmen. Weil ohne Personal ein jährlicher Aufwand von über 200.000 Mark errechnet wurde und die Pflege des denkmalgeschützten Parks eine unberechenbare Größe darstellte, zog sich die TU zurück. Nach der Fertigstellung von Schloss, Ostflügel und Park übernahm 1998 die „Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften“ als Pächter das Anwesen. 2005 gab die Akademie auf. Von 2006 bis 2010 versuchte sich ein Hotelbetreiber. Seit 2011 wird das Sudermannsche Haus für Veranstaltungen und Cafébetrieb genutzt. Die (gemeinnützige) Hermann Sudermann Stiftung erhielt (laut Grundbucheintrag) das unentgeltliche und alleinige Nutzungsrecht für das Sudermannsche Arbeitszimmers als Gedenkraum sowie die Zusage zur Übernahme des Verwalterhauses als Schriftstellerwohnung.

 

Den Großteil der Kosten für Unterhaltung von Herrenhaus und Park trägt derzeit wohl die BSG. Wirkliche Perspektiven sind nicht in Sicht.

 

Schloss Blankensee: Putten auf der Freitreppe, FAZ 31.07.1997

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Schloss Blankensee: Stillos und doch besonders, FAZ 29.11.1997

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Bildergalerie Blankensee

Dahlwitz

Schloss Dahlwitz-Hoppegarten. Foto BSG

Eigentum der BSG seit ?

 

Das sogenannte Schloss gehört zum Typus der Turmvillen, wie sie in Berlin und Brandenburg um die Mitte des 19. Jahrhunderts häufig errichtet wurden. Im Stil des Spätklassizismus wurde Dahlwitz 1855/56 nach Entwürfen des Berliner Architekten Friedrich Hitzig für den Gutsbesitzer Karl Heinrich von Treskow erbaut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden der Turm aufgestockt sowie ein Anbau mit einem als Atelier genutzten Saal an der nördlichen Seite angefügt. In der Nachkriegszeit wurden der Fassadenschmuck sowie die Innenausstattung komplett entfernt. Das Herrenhaus liegt in einem ca. 4 ha großen Park, den Peter Joseph Lenné ab 1821 gestaltete. Die Nutzfläche des Schlosses beträgt ca. 1.300 m².

 

Zu den Konditionen teilt die BSG aktuell mit: "Aufgrund der Raumstruktur ließe sich das Schloss sowohl für Wohn- als auch für Bürozwecke nutzen. Da die Sanierungskosten nicht auf die zukünftigen Mieten umgelegt werden, kann das Objekt zu einem äußerst günstigen Mietzins angeboten werden; das heißt, dass etwa 5,50 Euro pro m² im Monat eine reale Größe darstellen." Interessenten sind bisher nicht bekannt.

Diedersdorf

Schloss Diedersdorf bei Seelow. Foto BSG

Eigentum der BSG seit 1994

 

Das eingeschossige barocke Herrenhaus auf einem hohen Sockelgeschoss entstand um 1784. Bis zum Jahre 1945 wechselte das Gut mehrmals den Besitzer, so dass das Aussehen einige Male verändert und ergänzt wurde. Da es während Weltkriegs als Feldlazarett und vorübergehendes Hauptquartier der Wehrmacht diente, blieb der Bau weitgehend erhalten. Nach 1990 wurde die Gemeinde Eigentümer. Im Haus waren Kindergarten, Arztpraxis, Jugendclub, Gemeindeverwaltung sowie Büro- und Wohnräume untergebracht. Der marode bauliche Zustand und mangelnde Finanzen machten deutlich, dass die Gemeinde das Anwesen nicht würde sanieren können. Für eine symbolische Mark ging das Anwesen 1994 in den Beisitz der BSG. Nachdem 2001 geeignete Mieter gefunden worden waren, wurde ein "nutzungsbezogener Innenausbau" vorangetrieben.

 

Diedersdorf konnte von der BSG als "Haus der Beratung" an Steuerberater, Rechtsanwälte, EDV-Spezialisten und Arbeitsvermittler vermietet werden.

 

Fürstlich Drehna

Schloss Fürstlich Drehna. Foto BSG

Eigentum der BSG seit 1995

 

Im Jahr 1793 kaufte Graf Moritz Ernst zu Lynar die Herrschaft Drehna. Da er 1807 in den Fürstenstand erhoben wurde, bekam der Ort später den Namen Fürstlich Drehna. Mit der Bodenreform nach 1945 kam die Aufteilung des Gutsbesitzes. In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Anwesen unterschiedliche Nutzungen. Nach der Wende kam das Ensemble in den Besitz der Gemeinde Fürstlich Drehna, die Schloss, Park, Amtshaus, Gasthof, Gärtnerei und Gutshof 1995/97 für eine symbolische Mark an die BSG verkaufte. Bisher flossen ca. 20 Mio. € in die Restaurierung. Mitte 2005 stand die Nutzung fest: Das Wasserschloss mit einer Nutzfläche von 3.165 m² wurde zum Hotel ausgebaut und Ende 2007 als "Schlosshotel Fürstlich Drehna" eröffnet.

 

Pächter ist die Travdo Hotels & Resorts GmbH. Der zum Ensemble gehörende Gasthof „Zum Hirsch“ ist seit 1997 geöffnet. Das Gärtnereihaus ist Sitz der "Naturparkverwaltung Niederlausitzer Landrücken".

 

 

Bildergalerie Fürstlich Drehna

 

Großkmehlen

Schloss Großkmehlen. Foto BSG

Schloss Eigentum der BSG seit 2000

 

Schloss Großkmehlen ist ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert. Umfangreiche Umbauten wurden etwa 100 Jahre später vorgenommen, als das Gebäude aufgrund der Erbteilung in einen Ost- und einen Westbau aufgeteilt wurde. Diese wurden erst im 19. Jahrhundert durch zwei kleine Durchbrüche miteinander verbunden. Letzter Eigentümer des dreigeschossigen Wasserschlosses war die Familie zu Lynar, die mit der Bodenreform enteignet wurde. Das Schloss war danach Pflege- und Altersheim. Ab 1993 stand es leer. 1997 ging das Anwesen zuerst in den Besitz des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und im Jahr 2000 an die BSG über. Die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz" (DSD) hat seit 1997 über die von ihr und dem Land Brandenburg gegründete "Brandenburgische Schlösser GmbH" rund 3 Millionen Euro in die Gesamtinstandsetzung von Schloss, Nebengebäuden und Parkanlagen investiert. Am 28. Oktober 2011 übergab Staatssekretär Rainer Bretschneider vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg dem Referatsleiter Liegenschaften der DSD Jürgen Klemisch gleich zwei Förderbescheide für die Förderung im ländlichen Raum aus dem Programm ILE über insgesamt 3,6 Millionen Euro für die Jahre 2012-2013. In diversen Pressemitteilungen heißt es: Schloss, Park und Gutshof werden bis 2013 mit 6 Millionen Euro finanziert. Das Schloss soll teils zum Gemeinschaftszentrum von Großkmehlen werden, teils steht es zur Vermietung zur Verfügung. Auf dem Gelände entstand auch ein Depot für die Freiwillige Feuerwehr, am Rande des Geländes ein Heizkraftwerk ... Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist als Hauptgesellschafterin der Brandenburgischen Schlösser GmbH Schlosseigentümerin und trägt für die langfristige Nutzung der Anlage Sorge. Die Mittel werden für Instandsetzungsmaßnahmen im Schloss und am Schlossgraben sowie für den Um- und Ausbau des Gutshofs einschließlich Wiederherstellung des Parks zur Verfügung gestellt. Mit der großzügigen Förderung des Landes und der Europäischen Union werden die Instandsetzung des Schlosses und seiner Nebengebäude und damit die Wiederbelebung des Ortsmittelpunktes von Großkmehlen einen wichtigen Schritt vorankommen. Im Schloss stehen nach der Instandsetzung einige Räume für ein kleines Museum, Veranstaltungen der Gemeinde sowie zur Nutzung durch ortsansässige Vereine zur Verfügung. Zum Schlosskomplex gehören weitere Gebäude, wie das bereits 2005 fertiggestellte sogenannte Jägerhaus. Der ehemalige Schlossgraben und auch der vier Hektar große Park sind im Wesentlichen erhalten und bereits teilweise saniert.

 

Totz allem wirbt die BSG weiterhin für die Nutzung als "Verwaltung, Wohnung, Kultur, Bibliothek" und weist darauf hin, dass "die Sanierungskosten nicht auf die zukünftigen Mieten umgelegt werden" und daher "die Objekte zu einem äußerst günstigen Mietzins angeboten werden" können. "Etwa 5,50 Euro pro m² im Monat stellen eine reale Größe dar. Die Nutzfläche des Schlosses beträgt 2.100 m²."

 

Bildergalerie Großkmehlen

 

Groß Rietz

Schloss Groß Rietz. Foto BSG

Eigentum der BSG seit 1990

 

Zwischen 1693 und 1700 ließ der Hans-Georg von der Marwitz das von Formen des niederländischen Barock inspirierte Haus errichten. Der Architekt war vermutlich Cornelis Ryckwaert, nach dessen Entwürfen zur selben Zeit die Anhalter Fürstenschlösser in Oranienbaum und in Zerbst entstanden. Im Zuge der Bodenreform wurde das Anwesen enteignet. Im Schloss wurden ein Kindergarten und Wohnungen für Vertriebene untergebracht. Der Park wurde parzelliert und in Kleingärten umgewandelt. Später kamen auf dem Gelände ein Festplatz und eine Freilichtbühne hinzu. Unangemessene Nutzungen und langer Leerstand haben dem Gebäude erheblich zugesetzt. 1990 übernahm die BSG als Eigentümerin das Anwesen. 2012 hatte die BSG einen Betreiber für Groß Rietz gefunden. Geschäftsführer Illert erklärte: "Wir legen die Sanierungskosten - in diesem Fall 5,6 Millionen Euro - nicht um. Dann kämen wir auf 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter, und das wäre illusorisch." Gegenüber dem "Tagesspiegel" erklärte er einst: Es ist nicht leicht, die märkischen Adelssitze zu verkaufen oder zu vermieten. Auf jeden Fall aber wird - wenn teure Restaurierung vollendet ist - einer der bedeutendsten ländlichen Adelssitze Brandenburgs gerettet sein. Park und Schlosshof wurden entsprechend dem Zustand um 1850 instand gesetzt. Die Nutzfläche des Schlosses beträgt 1.100 m².

 

Mieterin mit einem Mietvertrag von zehn Jahren.wurde im Jahr 2012 die Berliner Marketingagentur no.nonsens GmbH mit Inhaberin Kathleen Wegenstein. Nach einem Bericht der "Märkischen Online Zeitung" geriet die Firma in Zahlungsschwierigkeiten und "zahlte ab Dezember 2015 keine Miete und keine Betriebskosten mehr. Deshalb hat die Brandenburgische Schlösser GmbH als Vermieterin die Miete gestundet sowie die Heiz- und Betriebskosten übernommen, um Schaden von dem Gebäude abzuwenden". Über die Höhe der Miete wird Stillschweigen gewahrt. Allein die Heizkosten sollen monatlich 1000 Euro betragen. "Wir haben die Heizkosten übernommen, weil wir glauben, dass Frau Wegenstein nur vorübergehend nicht zahlen kann", sagt Detlef Laubinger, bei der BSG zuständig für Vermögensverwaltung und Immobilien. In zwei, drei Monaten würde geregelt, wie die Rückstände ausgeglichen werden können. Detlef Laubinger sagt, er vertraue Kathleen Wegenstein, denn er arbeite schon sehr lange mit ihr zusammen."

 

Die Kosten trägt zurzeit wieder die Brandenburgische Schlösser GmbH. "Ich bin sehr froh, dass man mir so entgegenkommt", sagt Kathleen Wegenstein, die das Schloss nicht aufgeben möchte. Zur Zeit sind stundenweise ein Hausmeister und eine Hausdame aus der Region beschäftigt. Auf der Website der BSG werden dennoch Anregungen für eventuelle Nutzungsmöglichkeiten gegeben: "Museum oder Galerie mit hohem repräsentativem Anspruch, Veranstaltungen." Zu "Groß Rietz" gibt es interessante Hintergrundberichte. Nachfolgend eine Auswahl:

 

Bildergalerie Groß Rietz

 

Lieberose

Schloss Lieberose. Foto BSG

Eigentum der BSG seit ?

 

Aus einer Wasserburg des 14. Jahrhunderts entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine barocke Vierflügelanlage - das Stammhaus der Familie von der Schulenburg. Schloss Lieberose ist eines der größten Barockschlösser im Land Brandenburg. Zum Schloss gehört ein 34 ha großer Landschaftspark. Schloss und Park besitzen eine prägende, städtebauliche Bedeutung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss teilweise zerstört. Der Turm stürzte 1975 wegen Baufälligkeit ein. Da das Schloss mittels Eichenpfählen auf modrigen Grund erbaut wurde und der Grundwasserspiegel auf Grund der nahen Kohletagebaue absank, litten die Eichenpfähle derart stark, dass sie das Gewicht des Turmes nicht mehr tragen konnten. Zudem fehlte der abgerissene Schlossflügel, der den freistehend erbauten Turm nun nicht mehr stützte.

 

Auf ihrer Website teilt die BSG zu den Nutzungsmöglichkeiten mit: "Schloss und Park sind ideal geeignet für die Unterbringung eines Internats. Die Verbindung von Büros mit einer Tagungs- und Fortbildungsstätte als Seminarhaus ließe sich ebenso verwirklichen. Die Nutzfläche des Schlosses beträgt 3.170 m². Konditionen: Miete 5,50 Euro pro m² im Monat."

 

Reichenow

Schloss Reichenow. Foto BSG

Eigentum der BSG seit ?

 

Schloss Reichenow mit Gutshof und Park entstand in den Jahren 1897-1900 im Stil der Neogotik. Der Bauherr August Freiherr von Eckardstein ließ sich dabei von englischen Landsitzen der Tudorzeit inspirieren. Das Schloss ist ohne Umbauten erhalten und damit ein herausragendes Beispiel für diesen Baustil in Brandenburg.

Der zweigeschossige Putzbau mit hohem Sockel aus Granitbruchstein ist geprägt von vorgebauten Loggien, Balustraden, Ecktürmchen und Zinnenbekrönungen. Die ursprüngliche Raumstruktur des Gebäudes ist erhalten, in einigen Räumen existieren noch Bodenbeläge sowie Wand- und Deckenverkleidungen. In der Küche sind die originalen Wandfliesen vorhanden. Östlich und südlich vor dem Schloss erstreckt sich der Landschaftspark mit einem See und hohem Baumbestand.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Brandenburgische Schlösser GmbH“ hatte den Bau samt Gutshof und Park nach der Wende von der Kommune für eine symbolische Mark übernommen. Ab 1993 sorgte sie mit Mitteln des Landes Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die Sanierung. Insgesamt sollen dafür 11 Millionen Mark ausgegeben worden sein.

Nachdem mit Ursula Hahn und Sabine Kirstein zwei Pächterinnen gefunden waren, startete die BSG den „nutzungsbezogenen Innenausbau“. 1997 wurde das Haus als „Hochzeitshotel“ mit 23 Zimmern, Restaurant, Wintergarten, Massageräume und Sauna eröffnet. Nach 15 Jahren lief der Pachtvertrag aus. Eine Einigung zwischen Vermieter und Mieter kam nicht zustande. „Wir schließen grundsätzlich Mietverträge über 15 Jahre ab“, erklärt Detlef Laubinger, Immobilienchef der Schlösser GmbH. „Das wollte eine der beiden Frauen aber nicht, weil sie das 65. Lebensjahr erreicht hat.“ Deshalb habe man die Mieterinnen zum Auszug nach Ablauf des Pachtvertrages aufgefordert: „Besenrein mit weißen Wänden“. Die BSG wollte einen Neuanfang auf Reichenow. „Nach dem Auszug beginnen Sanierungsarbeiten, die jetzt, nach 15 Jahren, notwendig sind.“ Dieses Jahr bleibt das Schlosshotel zu. „Wir hoffen, dass wir zur Saisoneröffnung 2014 mit einem neuen Mieter und neuen Ideen starten können.“

Nachdem sich im Frühjahr 2014 zwei Geschäftsleute der Gemeinde vorstellten und ihre Vision von der Zukunft des Schlosses präsentierten, war auch die „Brandenburgische Schlösser GmbH“ als Eigentümerin von dem Konzept überzeugt. Im Frühjahr 2015 konnten die neuen Betreiber die Schlüssel in Empfang nehmen. Reichenow wollten sie als Hotel betreiben, vor allem aber wollten die Pächter das Schloss zum kulturellen Zentrum der Gemeinde entwickeln.

Am 18. Dezember 2015 titelte die Märkische Oderzeitung: „Kripo ermittelt wegen Kunstbetrug“. Das LKA Berlin ist tatsächlich sowohl im Schloss Reichenow als auch in dem von ihnen ebenfalls gepachteten Gutshaus Möglin fündig geworden. Die Pächter sollen vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) Kunst im Wert von 120.000 Euro gemietet, den Mietzins in Höhe von 6500 Euro aber weder bezahlt noch die Gegenstände zurückgegeben haben. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Eingehungsbetrug.

Die BSG nannte die Situation wenig erfreulich. Sie hatte aus der Zeitung von den laufenden Ermittlungen erfahren. Obendrein gab es wohl seit längerem Unstimmigkeiten, die "sich hauptsächlich darauf beziehen, dass Schloss und Park mittlerweile nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich seien". Wolfgang Illert, damals noch Geschäftsführer der BSG teilte mit: „Wir haben ihnen zum Jahresbeginn 2016 gekündigt, weil sich im Schloss nichts tat und sie die Miete nicht mehr zahlten. Und zwar schon so lange, dass wir jetzt die Reißleine ziehen mussten."

 

Das Vorzeigeobjekt der Brandenburgischen Schlösser GmbH hat sich zum Problemschloss entwickelt. Jetzt heißt es wieder: Traumschloss in Brandenburg zu vermieten. Zum Thema Reichenow gibt es interessante Hintergrundberichte. Nachfolgend eine Auswahl.

 

Steinhöfel

Schloss Steinhöfel. Foto Peter Hahn, 2002

Eigentum der BSG seit ?.

 

Die Geschichte von Steinhöfel beginnt mit der Errichtung eines Herrenhauses durch die Adelsfamilie von Wulffen anno 1730. Im Jahr 1790 ging Steinhöfel in den Besitz von Oberhofmarschall Valentin von Massow. Ab 1797 erweiterte der Architekt und Baumeister David Gilly das Ensemble mit der Bibliothek im Stile eines griechischen Tempels, dem Amtshaus, dem Dorfkrug und weiteren Wohnhäusern rund um den Dorfanger. Um 1880 wurde dem klassizistischen Schloss ein neobarocker Hauch durch weitere Umbauten gegeben. Der Risalit mit Dreiecksgiebel entstand in dieser Zeit ebenso wie der Balkon und die Zinnentürmchen. 1862 feierte Theodor Fontane den ca. 40 ha großen Landschaftspark mit See, Wassergräben und hohem Baumbestand nach englischem Vorbild als einen der schönsten der Provinz. 1930 geht das Gut Steinhöfel an den Landwirt Rudolf Peine über. Nach 1945 wird er im Zuge der Bodenreform enteignet. In den folgenden Jahrzehnten wird das Schloss von der Gemeinde Steinhöfel genutzt. Ab 1996 wurde das Schloss von der BSG saniert und ausgebaut. Seit Herbst 2002 ist es vermietet und wird als Hotel, Restaurant und Café genutzt.

 

 

Bildergalerie Steinhöfel

 

Auf der Website der Brandenburgischen Schlösser GmbH (http://www.schloesser-gmbh.de) finden sich Hinweise zu weiteren Aktivitäten. Nach der kritischen Berichterstattung über die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz" und ihrer Tochtergesellschaft "Brandenburgische Schlösser GmbH" ist wohl davon auszugehen, dass die neue Geschäftsführung diese angedachten Projekte überdenken wird.

 

Interview mit Dr. Wolfgang Illert

 

Dr. Wolfgang Illert war zusammen mit Dr. Felix Breidenstein Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlösser GmbH. Anläslich der Aufsichtsratssitzung am 22. Juni 2016 wurden die beiden Geschäftsführer verabschiedet. Zitat (DSD): „Dr. Felix Breidenstein verlässt die BSG im gegenseitigen und freundschaftlichen Einverständnis zum 30. Juni 2016. Ebenso verabschiedet wurde Dr. Wolfgang Illert, dem der Aufsichtsrat für seine mehr als zwei Jahrzehnte lange Tätigkeit als Geschäftsführer ausdrücklich dankte. Illerts Vertrag läuft zum 30. November 2016 aus.

 

Das im "Monumente-Magazin" erschienene Interview mit Dr. Wolfgang Illert entstand vor diesen Personalentscheidungen.

 

Die Zukunft von Brandenburgs Schlössern

Interview mit Dr. Wolfgang Illert, Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlösser GmbH, die mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wertvolle Schlösser, Herrenhäuser und historische Gärten saniert.

 

Mo: Herr Dr. Illert, Sie sind Geschäftsführender Vorstand der DSD und Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlösser GmbH, kurz BSG, die 1992 gegründet wurde. In welcher Beziehung stehen die beiden Institutionen zueinander?

Dr. Wolfgang Illert: Die Brandenburgische Schlösser GmbH hatte ihr erstes Geschäftsjahr 1993. Sie wurde seinerzeit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land Brandenburg zu gleichen Teilen gegründet. Somit war sie eine Tochtergesellschaft der Stiftung und des Landes Brandenburg. Seit 2001 ist sie fast alleinige Tochter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die seit dieser Zeit 95 Prozent der Anteile hält, das Land Brandenburg nur noch fünf Prozent.

Mo: Über 500 Schlösser und Herrenhäuser gibt es in Brandenburg. 10 Ensembles davon sind im Eigentum der BSG. Was ist ihre Aufgabe?

Dr. Wolfgang Illert: Die gemeinnützige Betriebsgesellschaft saniert, verwaltet und vermietet denkmalgeschützte Schlösser und Herrenhäuser im Land Brandenburg. Und sie steht Kommunen und Gemeinden als Dienstleister beratend zur Verfügung. Zehn Schlösser befinden sich im Eigentum der BSG. Die denkmalgeschützten Bauensembles waren ausnahmslos in einem solch katastrophalen Zustand, dass sie niemand übernehmen wollte. Damit drohten sie verlorenzugehen. Um sie zu retten, sprang die BSG ein.

Dabei geht sie folgendermaßen vor: Sie fängt mit ersten Notsicherungsmaßnahmen an, dann folgt der Schutz vor negativen Witterungseinflüssen. Danach stehen Baumaßnahmen an, die nutzungsunabhängig sind und auf der Basis denkmalpflegerischer Ansprüche durchgeführt werden. Sie sind die Grundlage dafür, dass das Denkmal langfristig erhalten bleibt. Der letzte Schritt sind die nutzungsbezogenen Ausbauarbeiten, die man natürlich erst dann beginnt, wenn die Nutzung und der Mieter feststehen. Bei anderen Objekten fungiert die BSG im Auftrag des Eigentümers. Dort ist sie in der Regel für Kommunen der Projektsteuerer - wie etwa in Martinskirchen, Doberlug oder Freyenstein.

Mo: Die in das Eigentum der BSG übergegangenen Schlösser kamen ebenfalls von Kommunen?

Dr. Wolfgang Illert: Ja, sie waren alle im Besitz von Kommunen, ausgenommen Schloss Blankensee, das der privaten Hermann-Sudermann-Stiftung gehörte, und Schloss Altdöbern, das in Bundesbesitz war.

Mo: Inwiefern ist der National Trust in Großbritannien ein Vorbild?

Dr. Wolfgang Illert: Gegenüber der Brandenburgischen Schlösser GmbH gibt es einen entscheidenden Unterschied zum National Trust: Dieser erwirbt und bekommt Schlösser übertragen, die noch Mobiliar und Ausstattung besitzen und sich in der Regel durch die kontinuierliche Nutzung noch in einem besseren Zustand befinden. Er finanziert sich neben Eintrittsgeldern und Shops, vor allem über die Mitgliedsbeiträge.

Die BSG hingegen übernimmt leere und geplünderte Gebäude und muss sich neue Nutzungen überlegen. Diese müssen denkmalgerecht sein und genügend Geld einbringen, sodass durch diese Einnahmen langfristig die Kosten für die Bauunterhaltung und die Pflege, auch der dazugehörigen Außenanlagen ermöglicht werden. Deswegen brauchen wir Mieter. Was uns gelingt: Alle Objekte, die fertig und vermietet sind, tragen sich auch - wie Reckahn, Blankensee, Steinhöfel, Diedersdorf, Reichenow, Groß Rietz und Fürstlich Drehna.

Mo: Wer trägt jetzt die Restaurierungskosten, die zwischen 3 und 20 Millionen Euro liegen?

Dr. Wolfgang Illert: Die BSG, die die ersten neun Jahre durch das Land Brandenburg und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeinsam finanziert wurde. Die Finanzlücke, die das Land hinterlassen hat, ist geblieben; die Schlösser-GmbH hat seit zehn Jahren deshalb nur die Hälfte des Geldes zur Verfügung. Die Sanierungen dauern nun zwar länger, wir können aber jetzt wie jeder andere Bauherr auch Fördermittel beantragen. Die BSG als Antragsteller für Fördermittel ist für die zuständigen Behörden ein guter und zuverlässiger Partner: Wir haben die nötigen Eigenmittel, um die Maßnahmen fristgerecht durchzuführen. Darüber hinaus werden die Maßnahmen fachlich gut betreut, weil zum Team der BSG qualifizierte Architekten gehören.

Mo: Wie entwickeln Sie in den strukturschwachen Regionen sinnvolle Nutzungskonzepte für die denkmalgeschützten Anlagen?

Dr. Wolfgang Illert: Es gilt für alle unsere Bauvorhaben, ob BSG oder DSD: Das Objekt bestimmt die Nutzung und nicht umgekehrt. Das Schloss ist die Vorgabe. Wie ist sein Grundriss, sein Baukörper, wie wird es denkmalgerecht saniert? Danach stellt sich die Frage: Was passt da jetzt rein? Ist dieses Objekt mit diesem Grundriss, mit dieser Raumfolge als Bürostandort oder als Hotel geeignet? Bleiben wir bei dem Beispiel Hotel. Gemeinhin scheint es naheliegend, dass Schlösser Hotels werden. So einfach funktioniert es meistens nicht. Hotelnutzung setzt nämlich voraus, dass es zum Beispiel durchgehende Korridore gibt. Um Korridore zu schaffen, müsste bei vielen historischen Gebäuden, insbesondere des 16. und 17. Jahrhunderts, eine Entkernung vorgenommen werden, und genau dies will ja die BSG nicht. Wir wollen den Beweis antreten, dass eine denkmalgerechte Sanierung einer zeitgemäßen Nutzung nicht widerspricht. Ein Schloss mit Durchgangszimmern ist selbst für eine Büronutzung schwierig. In Groß Rietz wollte ursprünglich die Gemeinde mit ihrer Verwaltung einziehen. Das Schloss besitzt jedoch diese wunderbare barocke Enfilade. Nachdem der Bürgermeister mit seinen Angestellten das restaurierte Gebäude besichtigt hatte, lehnten sie wegen der Raumfolge ab. Es ist zwischenzeitlich gelungen, Schloss Groß Rietz so zu vermieten, wie es seiner ursprünglichen Bestimmung nahekommt: ein Teil wird als private Wohnung, ein Teil für Ausstellungszwecke genutzt. Es ist wichtig, eine Nutzung zu finden, die in die Region passt. Hat unser Mieter eine Chance? Es ist niemanden gedient, auch nicht dem Haus selbst, wenn häufig Mieterwechsel anstehen.

Mo: Welche Auswirkungen auf die Region haben die Baumaßnahmen an den Schlössern und Herrenhäusern?

Dr. Wolfgang Illert: Bereits während der Sanierungsphase werden Arbeitsplätze gehalten und geschaffen. Nehmen wir als Beispiel Fürstlich Drehna mit seinen zahlreichen Nebengebäuden. Dort haben wir 17 Jahre saniert, der dazugehörige Gasthof ist schon lange wieder in Betrieb. In das gesamte vielteilige Ensemble haben wir 24 Millionen investiert. Schon bei den Ergebnissen der Ausschreibungen zeigte sich, wie wichtig der Wirtschaftsfaktor bereits bei der Restaurierung eines denkmalgeschützten Gebäudes ist: Etwa Dreiviertel aller Firmen kamen aus einem Radius von 80 Kilometern um Fürstlich Drehna, wobei Dresden und Berlin außerhalb davon liegen. Die Firmen stammen aus der Lausitz und dem Fläming. Das sind Regionen, aus denen in den 1990er-Jahren die Menschen in Scharen abgewandert sind. Dort haben wir vorwiegend Arbeitsplätze gehalten. Bei den Ausschreibungen zeigte sich, dass diese räumliche Nähe von Vorteil sein kann. Eine Firma, aus Baden-Württemberg etwa, muss die Anreise und die Übernachtungen der Arbeiter vor Ort in ihre Preise einkalkulieren. Bieten lokale Firmen bei gleicher Qualifikation - dies ist ganz wesentlich - ihre Dienstleistung günstiger an, erhalten sie den Zuschlag.

Mo: Liegt der Anreiz für potenzielle Mieter im Mietpreis?

Dr. Wolfgang Illert: Nein. Es ist das Wohnen und Arbeiten in einem Schloss, in einem historischen Gebäude. Dieses Ambiente ist schon etwas Besonderes. Die Menschen fühlen sich wohler und zufriedener, wozu die wunderschönen Parkanlagen und die Landschaft ihren Teil beitragen.

Die Mieten sind nur ein bedingter Anreiz. Zwar sind fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter im Vergleich preiswert, aber wenn man bei einem Schloss die Aufteilung zwischen wirklicher Nutzfläche und Gesamtfläche betrachtet, ist sie nicht immer so günstig wie bei einem von vornherein als Bürogebäude konzipierten Neubau. Die Verkehrsflächen sind viel größer. Bei einem Schloss ist der Flur in der Regel nicht ein, sondern häufig bis zu drei Meter breit. Dies bringt dem Mieter eigentlich nichts, doch er muss ihn unterhalten. Dem tragen wir mit der Kaltmiete Rechnung. Sie deckt den Bedarf, den die BSG für die dauerhafte Pflege des Baudenkmals benötigt. Bei der Größe der Gebäude ist dies mit den Betriebskosten schon eine stolze Summe für den Mieter. Aber wir haben alle fertigen Objekte vermietet.

Mo: Kann man denn ein solches Schloss heizen?

Dr. Wolfgang Illert: Ja. Es ist ein schlimmes Vorurteil, dass ein Altbau mehr Energie verschlingt - zumindest nicht bei einem dickwandigen Gebäude aus der Renaissance oder dem Barock. Deren Mauerwerk besitzt ein großes Speichervolumen. Wenn es durchgeheizt ist, hält es die Wärme. Dies übernehmen wir schon während der Baumaßnahmen. Bei so einem Mauerwerk, das Jahrzehnte lang leer stand und komplett ausgekühlt ist, dauert es etwa zwei Jahre, bis es wieder temperiert ist. Der Mieter heizt dann normal.

Mo: Haben Sie ein Schloss oder Herrenhaus, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Dr. Wolfgang Illert: Natürlich habe ich das nicht! (lacht) Es gab einen Journalisten, der wollte unbedingt wissen, welches mein "Lieblingskind" sei. Da habe ich gesagt: 'Gute Eltern haben keine Lieblingskinder'. Immer das, wo ich gerade bin, ist mein Lieblingskind.

Mo: Vielen Dank für dieses Gespräch. (Die Fragen stellte Christiane Rossner.)

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